Die Beschäftigungsbedingungen an Bremer Hochschulen

Wie sich Lehrende von Vertrag zu Vertrag hangeln

Weit mehr als die Hälfte der hauptberuflichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bremens Hochschulen sind befristet beschäftigt. Eine unbefristete Vollzeitstelle unterhalb der Professur ist kaum erreichbar.

Text: Jessica Heibült
Foto: Unsplash
1. Mai 2021

Unter dem Hashtag "IchBinHanna" berichten zurzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den sozialen Medien über ihre Arbeitsbedingungen an deutschen Hochschulen. Sie kritisieren befristete Verträge, unsichere Anstellungsverhältnisse und fehlende Karriereaussichten auch noch nach Jahren in der Forschung. In unserem Lagebericht haben wir uns mit dem Thema und der Situation in Bremen befasst. 

Das „Normalarbeitsverhältnis“ an den Hochschulen ist befristet. Im Land Bremen waren 2018 gut 67 Prozent der hauptberuflichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie knapp 26 Prozent der Nichtwissenschaftlerinnen und Nichtwissenschaftler befristet beschäftigt. Darüber hinaus wird vor allem an den Fachhochschulen inzwischen ein großer Teil der Lehre über gering honorierte Lehraufträge abgedeckt, die nach dem Bremischen Hochschulgesetz die Lehre eigentlich nur ergänzen sollen.

Folgen für die Familienplanung

Die vertraglichen Rahmenbedingungen sind geprägt von Zeitverträgen, kurzen Vertragslaufzeiten und unsicheren Perspektiven. Beschäftigte sind konfrontiert mit schlechten Aufstiegschancen, Arbeitsplatzunsicherheit und mangelnder Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zudem sind die Karriereaussichten an den Hochschulen begrenzt. Eine unbefristete Vollzeitstelle unterhalb der Professur ist kaum erreichbar. Die Chancen, eine der begehrten Professuren zu ergattern, gelten ebenfalls als gering.

Diese Strukturen wirken sich entscheidend auf die Karriere- und Familienplanungen der Beschäftigten aus. Um Spitzenforscherinnen und -forscher an den Hochschulen zu halten und neue zu gewinnen, müssen gute und sichere Beschäftigungsperspektiven auch „unterhalb“ von Professorenstellen geschaffen werden.

Umsetzung des Rahmenkodex 2021 untersucht

Der im November 2016 unterzeichnete Rahmenkodex „Vertragssituationen und Rahmenbedingungen von Beschäftigungen an den staatlichen Bremischen Hochschulen“ ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er wurde in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Interessenvertretungen der Beschäftigten, der Senatorin für Wissenschaft und den Leitungen der Hochschulen entwickelt. Der Kodex ist rechtlich nicht bindend, sondern eine Selbstverpflichtung der Hochschulen für eine bessere Ausgestaltung der Beschäftigungsverhältnisse. Er schafft verbesserte Rahmenbedingungen insbesondere bei der Ausgestaltung befristeter Arbeitsverhältnisse.

Der Wissenschaftsplan schreibt die Umsetzung des Rahmenkodex als übergeordnetes Ziel fest und fordert die konsequente Umsetzung von den Hochschulen. Das Hochschulgesetz sieht eine Evaluation und Weiterentwicklung des Kodex bisher nur nach Bedarf vor. Die Umsetzung an den Hochschulen wurde bislang nicht evaluiert, dies ist aber für das Jahr 2021 vorgesehen. Eine regelmäßige Evaluation ist erforderlich, um den Kodex kontinuierlich zu erweitern, ihn fest in hochschulinternen Verfahren zu etablieren und damit ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein bei Führungskräften und Hochschulleitungen herbeizuführen.

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