Pressemitteilung

05.03.2021

Krise darf Chancen am Arbeitsmarkt für Frauen nicht verschlechtern

Frauen dürfen nicht zu den Verliererinnen der Corona-Krise werden. Davor warnt die Arbeitnehmerkammer Bremen mit Blick auf den anstehenden Equal Pay Day am 10. März.

In keinem anderen Bundesland ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen so gering (Bremen: 67,8 Prozent, Hamburg: 75 Prozent) und auch ihr Anteil an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist in Bremen mit 44 Prozent im Bundesländervergleich am niedrigsten. „Die Krise darf die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Frauen nicht noch weiter verschlechtern“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. 2019 betrug die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern im Land Bremen 23 Prozent – nur Baden-Württemberg steht im Bundesvergleich noch schlechter da. „Auch im Bremen-Fonds sollte die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt eine hohe Priorität haben“, so Schierenbeck.

Zwar deuten Zahlen zur ersten Phase des Lockdowns darauf hin, dass Männer stärkere Einbußen in der Krise hinnehmen mussten: So ist die bezahlte Wochenarbeitszeit bei Männern im Land Bremen zwischen Juni 2019 und Juni 2020 im Schnitt um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, bei Frauen um 2,2 Prozent (Voll- und Teilzeit). Und die Bruttomonatsverdienste bei Männern sanken in den ersten drei Quartalen 2020 um 4,0 Prozent, bei Frauen nahmen sie hingegen um 1,1 Prozent zu. „Dass die Gehaltslücke im ersten Lockdown zwischen Frauen und Männern scheinbar kleiner wird, hat nichts mit einer deutlich besseren Einkommenssituation der Frauen zu tun, sondern vielmehr mit der schwierigen Lage der männerdominierten Branchen in der ersten Phase der Pandemie“, betont Schierenbeck.

Zudem sei das Ausmaß des zweiten Lockdowns noch nicht abzusehen, hier ist eher mit Beschäftigungsrückgängen vor allem bei den Frauen zu rechnen, etwa wegen des unter Druck geratenen Einzelhandels – eine klassische Frauenbranche. Gleichzeitig hat die Corona-Krise dazu geführt, dass vor allem Frauen ihre Arbeitszeit wegen fehlender Kinderbetreuung reduziert haben. Das belegen auch Rückmeldungen von Frauen, die an einer von der Arbeitnehmerkammer im November 2020 durchgeführten, nicht-repräsentativen Online-Befragung teilgenommen haben. Aus den mehr als 1.000 Antworten wurde deutlich, dass vor allem Frauen mit dem Problem konfrontiert wurden, Erwerbsarbeit und Betreuungsaufgaben unter einen Hut zu bekommen. Eine Mutter von zwei Kindern berichtete: „Wir sind vom guten Gehalt meines Mannes als ganze Familie abhängig, deshalb ist es wichtiger, dass er seinem Job eine hohe, auch zeitliche Priorität einräumt. Mein Job wird aufgrund der Branche und natürlich der Teilzeit deutlich schlechter bezahlt.“

Dass insbesondere die Familienphase den Gender Pay Gap erhöht, zeigen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): Zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr verdreifacht sich die Lohnlücke: Während sie bei den 25- bis 30-Jährigen bei 9 Prozent liegt, wächst sie stetig und liegt bei den 49-Jährigen schließlich bei 28 Prozent. Dass Frauen zu einem größeren Teil die Care-Arbeit übernehmen, zeigt auch die Entwicklung der Teilzeit bei Frauen: Zwischen Juni 2019 und Juni 2020 nahm die Zahl der Vollzeitstellen bei Frauen im Land Bremen weiter ab, Teilzeitstellen hingegen nahmen erneut zu. So arbeiten in Bremen und Bremerhaven inzwischen mehr Frauen in Teilzeit als in Vollzeit. Dass dieser Anteil krisenbedingt weiter steigt, ist zu befürchten. Eine Mutter sagte dazu in der Kammer-Befragung: „Die gut bezahlte Arbeit meines Mannes in der IT war wichtiger als meine eher schlecht bezahlte systemrelevante Arbeit als Sozialpädagogin. Daher ist meine Arbeitszeit und Energie eingeschränkt zugunsten Homeschooling und Kinderbetreuung – das ist sehr bitter und hinterlässt Spuren im Familienleben.“

Mehr Kinderbetreuung nötig

Dauerbrenner bleibt die Kinderbetreuung. Insgesamt fehlten im August 2020 allein in der Stadt Bremen insgesamt 1.100 Kitaplätze. Vom Ausbau der Betreuungsquoten weicht das Bundesland Bremen deutlich vom Rest der Republik ab: Bremen ist aktuell das einzige Bundesland, in dem immer noch rund 13 Prozent der Kinder in der Altersgruppe von drei bis sechs Jahren nicht in einer Kindertageseinrichtung betreut und gefördert wurden. Überall wünschen sich fast alle Eltern eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung, im Land Bremen 98,3 Prozent.

„Damit Frauen künftig gleichermaßen am Erwerbsleben und damit finanziell teilhaben, müssen Eltern die Möglichkeit haben, sich die Sorgearbeit gleichmäßig aufzuteilen. Das geht nur mit ausreichend Betreuungsplätzen“, betont Ingo Schierenbeck. Um den Gender Pay Gap langfristig zu senken, müsse die Tarifbindung gestärkt werden, damit die Frauenverdienste steigen. „Vor allem Tarifverträge sichern ein gutes Einkommen“, betont Schierenbeck.

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