Pressemitteilung

29.04.2020

Handlungsbedarfe in der Pflege und bei Unternehmensgründungen

Arbeitnehmerkammer legt Bericht zur Lage vor

Zur gewohnten Zeit erscheint auch in diesem Jahr der jährliche "Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Lande Bremen“ – nur erscheint er nicht in gewöhnlichen Zeiten. Die Pandemie hat Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Griff, die Auswirkungen sind derzeit für alle spürbar, die Statistik aber, die die Folgen der Krise schwarz auf weiß zeigt, wird noch lange auf sich warten lassen und ist nicht enthalten im diesjährigen Lagebericht. "Und doch", so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, "ist vieles, was uns jetzt beschäftigt, nicht neu. Dazu gehört auch, dass in den sogenannten systemrelevanten Branchen – im Einzelhandel z.B. oder der Pflege – so wenig verdient wird, dass sich in den Gehältern keine angemessene Anerkennung ausdrückt".

Wie jedes Jahr sind die Verdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Thema des Lageberichts. Dabei liegen die Durchschnittsverdienste der bremischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leicht über dem Bundesdurchschnitt (Stand Juni 2019). Schlüsselt man dies nach Berufen auf, zeigt sich jedoch, dass insbesondere Fachkräfte im Einzelhandel, der Altenpflege oder der Arzt- und Praxishilfe im unteren Bereich rangieren. Schlusslicht ist die Fachkraft in der Gastronomie. "Hier dürften Verdienstausfälle durch Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit zurzeit existenzbedrohende Situationen auslösen. Es ist bedauerlich, dass Niedrigverdienerinnen und -verdiener von der geplanten Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nicht von Anfang an, sondern frühestens nach drei Monaten profitieren", so Schierenbeck.

Ein Lagebericht vor Corona – und gleichwohl aktuell

Der diesjährige Lagebericht der Arbeitnehmerkammer wurde weitgehend vor Corona fertiggestellt. Daten zu Wirtschaft und Beschäftigung sind daher im Wesentlichen dazu geeignet, die Situation vor der Krise mit der danach ins Verhältnis zu setzen. Andere Artikel dieses Lageberichts sind ungebrochen aktuell oder werden es in der Krise erst recht.

So plädiert die Arbeitnehmerkammer im Bereich der Pflegepolitik dringend für eine angemessene und an den tatsächlichen Bedarfen ausgerichtete Personalausstattung in den Kliniken. "Ein System, das personell so auf Kante genäht ist, ist nicht nur im Krisenfall höchst anfällig. Verbesserungen müssen dringend in die Wege geleitet werden", so Schierenbeck. Das Pflegepersonal in den Bremer Krankenhäusern ist im Bundesvergleich überdurchschnittlich belastet. Während die Zahl der Beschäftigten in der Krankenpflege im Bund zwischen 2007 und 2017 um neun Prozentpunkte gestiegen ist, hat sie im Land Bremen abgenommen. Gleichzeitig hat die Zahl der zu behandelnden Fälle zugenommen: "Die Arbeitsbelastung ist mittlerweile höher als in anderen Regionen, das Land Bremen ist gut beraten, mit seinen kommunalen Krankenhäusern beispielhaft voranzugehen und sich zu bedarfsorientierten Personalvorgaben zu verpflichten", betont Schierenbeck.

Um Pflegekräfte im Beruf zu halten und hinzuzugewinnen, bedarf es außerdem besserer Arbeitsbedingungen, die in anderen Branchen fast selbstverständlich sind. Zu diesen gehören u.a. beschäftigtenfreundliche Arbeitszeitmodelle, ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement, die Verlässlichkeit von Dienstplänen, und nicht zuletzt eine angemessene tarifvertraglich geregelte Bezahlung.

Gründerinnen und Gründer können nach der Krise wichtige Impulse geben

Dem Thema Gründungen ist im Lagebericht der Arbeitnehmerkammer ebenfalls ein Kapitel gewidmet – nicht nur, weil von ihnen wertvolle Impulse für die Wirtschaftsentwicklung ausgehen. Es entsteht im Lauf der Zeit auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in nennenswertem Umfang. Bundesweit haben Neugründerinnen und Neugründer 2018 – zusätzlich zu ihren eigenen – fast 220.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze geschaffen (KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)-Gründungsmonitor). Bremen und Bremerhaven sind zwar nach wie vor keine Hotspots der Gründerszene, jüngste Zahlen z.B. aus den Gewerbeanzeigen lassen jedoch Fortschritte vermuten. Insbesondere im Bereich der grünen Start-ups mit innovativer Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial schneidet das Land gut ab. 27 Prozent der im Jahr 2018 gegründeten Bremer Start-ups werden als "grün" kategorisiert und leisten einen gezielten Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz. Dieser Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt. Immerhin fünf Prozent aller deutschlandweit rund 6.000 "grünen" Start-ups, die in den vergangenen zehn Jahren gegründet wurden, sind in Bremen ansässig.

"Gründungen, leisten einen wichtigen Beitrag für moderne und zukunftsfähige Wirtschaftsräume", so Schierenbeck, "in der Zeit nach der Krise kann dieser Beitrag umso bedeutender werden". Gleichwohl fehle aktuell die Möglichkeit zur transparenten Erfolgskontrolle, obwohl gerade die Qualität der Gründungen entscheidend ist. Auch werden aus Sicht der Arbeitnehmerkammer beschäftigungspolitische Aspekte zu selten einbezogen – sowohl in die Beratung wie in Förderstrategien und die Analyse. Um beispielsweise nachzuvollziehen, inwieweit das ausgegebene Ziel, Frauen gezielter zu unterstützen erreicht wurde, müsste ihr Anteil an den Gründungen ausgewiesen werden. Eine Bewertung des Beitrags zum Strukturwandel verlangte mindestens eine Erhebung über die Branche der Gründung. Informationen hierzu fehlen aber ebenso wie jene über Aspekte von Beschäftigung. "Wenn die Impulse der jungen Unternehmen auch für den Arbeitsmarkt nachhaltig sein sollen, muss das Thema "gute Arbeit" in der Förderung, Begleitung und Beratung von Existenzgründerinnen und -gründern eine Rolle spielen", so Schierenbeck. Und das auch im Interesse der Gründerinnen und Gründer: Gute Fachkräfte lassen sich mit schlechten Arbeitsverhältnissen weder gewinnen noch halten".

Den Bericht zur Lage 2020 finden Sie unter www.arbeitnehmerkammer.de/berichtzurlage

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