Pressemitteilung

02.11.2020

Fragiler Arbeitsmarkt: Kultur- und Kreativwirtschaft von Pandemie besonders betroffen

Arbeitnehmerkammer veröffentlicht neue Branchenstudie

Die Kultur- und Kreativwirtschaft gehört zu den Wirtschaftsbereichen, die von den Folgen der Corona-Pandemie am stärksten betroffen sind: Nach dem Lockdown im März und der schrittweisen Öffnung seit Juni schließen heute (Montag) erneut Kulturstätten. Davon ist ein Teil der mehr als 19.000 Erwerbstätigen betroffen, die im Land Bremen als Autoren, Filmemacherinnen, Musiker, bildende und darstellende Künstlerinnen, Architekten, Designerinnen oder Entwickler von Computerspielen arbeiten. „Die Kultur- und Kreativszene hat nicht nur einen hohen gesellschaftlichen Wert, sie ist auch ein höchst innovativer Wirtschaftszweig mit einer beachtlichen wirtschaftlichen Dynamik“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Es sei deshalb richtig, die Kulturschaffenden weiter zu unterstützen und beispielsweise die Bremer Soforthilfe für Künstlerinnen und Künstler zu verlängern, um Einnahmenausfälle aufzufangen.

Kultur- und Kreativleistungen stark nachgefragt

Die Ergebnisse einer von der Arbeitnehmerkammer in Auftrag gegebenen Branchenanalyse (PDF) zur Kultur- und Kreativszene zeigen auch, dass eine starke Wechselwirkung mit anderen Unternehmen und Branchen besteht. So geben laut einer bundesweiten Erhebung vier von fünf Unternehmen an, in den letzten Jahren Kultur- und Kreativleistungen extern nachgefragt zu haben. Ebenfalls liefern vier von fünf Unternehmen der Kreativwirtschaft Produkte oder Dienstleistungen an andere Unternehmen. Und das wirtschaftliche Wachstum verläuft sehr dynamisch: Im Jahr 2018 wurde im Land Bremen erstmals die Milliardenmarke beim Umsatz übertroffen.

Erwerbstätigenzahlen steigen – Beschäftigung oft prekär

Auch die Zahl der Erwerbstätigen steigt: Zuletzt – vor Corona – arbeiteten mehr als 19.000 Menschen in Bremen und Bremerhaven kultur- und kreativwirtschaftlich – die Mehrzahl davon allerdings in prekärer Selbstständigkeit oder als geringfügig Beschäftigte. Nur noch eine Minderheit ist sozialversicherungspflichtig angestellt. In vielen Teilbereichen ist atypische Beschäftigung die Regel. „Der Arbeitsmarkt ist sehr fragil, gleichzeitig ist er nun durch die Corona-Pandemie besonders betroffen“, so Tobias Peters, Referent für Wirtschafts- und Finanzpolitik bei der Arbeitnehmerkammer. Hilfsmaßnahmen seien zwar auf den Weg gebracht worden, kämen aber nicht überall und zielgenau an. Dennoch: „Die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bremen zeigen sich überwiegend zufrieden mit den Anstrengungen der Bremer Politik während der Corona-Krise.“

Bedeutendster Teilmarkt ist die Software- und Games-Industrie

Die Kultur- und Kreativwirtschaft setzt sich aus vielen Teilsegmenten zusammen. Die Studie legt die allgemein gängige Definition zugrunde, die für die Wirtschaftsministerkonferenz entwickelt wurde. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Segmente – vom Kunst-, dem Buch- oder Werbemarkt über die Designwirtschaft und die Architektur bis zur Musik- oder Filmwirtschaft – deutlich voneinander und sind auch von den Pandemiefolgen unterschiedlich betroffen. Gemeinsam ist allen Teilbereichen, dass der schöpferische Akt und das Gestalten den Kern ihrer Aktivität bilden. Der bedeutendste Teilmarkt ist mittlerweile die Software- und Games-Industrie. Tobias Peters: „Als umsatzstarker und männerdominierter Bereich ist die Arbeit hier allerdings eher untypisch für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Denn hier wird oft gut bezahlt, die Jobs sind meist sozialversicherungspflichtig und werden häufig in Vollzeit ausgeübt.“

Mediensektor im Umbruch

Im Schwerpunkt hat sich die Studie mit dem Mediensektor beschäftigt – ein Bereich, der sich ohnehin im Umbruch befindet und nun ebenfalls besonders von der Corona-Pandemie betroffen ist. So ist beispielsweise der Anzeigenmarkt eingebrochen, freie Mitarbeitende dürfen während der Kurzarbeit in den Redaktionen nicht beauftragt werden. „Schon vor Corona gab es immer weniger reguläre Vollzeitjobs bei Zeitungen oder im Rundfunk – das klassische Normalarbeitsverhältnis ist inzwischen die Ausnahme“, fasst Tobias Peters die Studienergebnisse zusammen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die tägliche Arbeit: auch die finanzielle Absicherung schwindet und die Arbeit von Betriebs- und Personalräten wird erschwert.

Das Einkommen von Freiberuflerinnen und Freiberuflern ist während der Corona-Krise laut einer bundesweiten Befragung auf ein Drittel des Vorkrisenniveaus gesunken. Zwar haben in der Studie insbesondere die sogenannten festen Freien bei Radio Bremen den Umgang mit der Corona-Krise in der Rundfunkanstalt gelobt. Grundsätzlich sind freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nicht sozialversicherungspflichtig, das heißt, sie haben weder Anspruch auf Arbeitslosen- noch auf Kurzarbeitergeld. „Insbesondere im öffentlich geförderten Bereich muss darauf geachtet werden, dass möglichst viel Beschäftigung sozialversicherungsrechtlich abgesichert ist“, betont Ingo Schierenbeck.

Insgesamt müsse über diese Krise hinaus daran gearbeitet werden, Landesprogramme für die Kultur- und Kreativbranche zu entwickeln, die mehr soziale Sicherheit bringen. Die Kammer schlägt vor, in einer Arbeitsgruppe aus behördlichen Vertretern und Künstlern entsprechende Ideen zu entwickeln.

Zur Studie

Für die Studie wurden zahlreiche Interviews mit Akteurinnen und Akteuren aus der bremischen Kultur- und Kreativwirtschaft geführt. Autor Adrian Rudershausen liefert so wertvolle Hintergründe zu Entwicklungen des Marktes und vor allem der Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse. Das umfangreiche Zahlenwerk – in dieser Detailtiefe für Bremen bislang einmalig – hat Michael Söndermann vom Büro für Kulturwirtschaftsforschung in Köln erhoben.

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  • Kultur- und Kreativwirtschaft im Land Bremen - Wenn Corona auf einen Fragilen Arbeitsmarkt trifft

    Branchenanalyse mit Fokus auf Rundfunksektor und Pressemarkt

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