Pressemitteilung

07.01.2022

Corona bestimmt die Situation am Arbeitsplatz

Mehr als 100.000 Beratungen der Arbeitnehmerkammer in 2021

Mehr als 100.000 Beratungen hat die Arbeitnehmerkammer 2021 im Land Bremen durchgeführt – die Nachfrage nach rechtlicher Unterstützung ist damit auch im zweiten Coronajahr ungebrochen hoch. Vor allem Fragen zum Arbeitsschutz und zu psychischen Belastungen haben noch einmal um fast 20 Prozent zugenommen. „Die wegen der Infektionslage mehrfach geänderten rechtlichen Vorgaben haben zu immer neuen Bedingungen auch in den Betrieben geführt. Die damit verbundene Unsicherheit ist in der Beratung deutlich geworden“, kommentierte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, heute (Freitag) die Rechtsberatungsbilanz.

Fragen zum Arbeitsschutz nehmen zu

Gab es 2020 noch viele Fragen zur Maskenpflicht und zu Abstandsregeln, standen 2021 im Arbeitsschutz andere Themen im Mittelpunkt: „Im zweiten Coronajahr ging es vor allem ums Homeoffice, um Test- und Impfregelungen oder um Quarantänevorschriften“, beschreibt Kaarina Hauer, Leiterin der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer, das zweite Jahr der Pandemie. So hätten einige trotz der Homeoffice-Empfehlungen im Betrieb arbeiten müssen, andere seien gegen ihren Willen ins Homeoffice gedrängt worden. „Die oft unklare Rechtslage – was muss ich hinnehmen, was kann ich einfordern – hat viele verunsichert.“ Auch die Umstellung auf 3G am Arbeitsplatz hat zuletzt Fragen aufgeworfen.

Kam das Thema Arbeitsschutz vor der Pandemie eher selten in der Beratung vor, stieg die Nachfrage 2021 erneut um knapp 20 Prozent auf knapp 1.080 Beratungen an.

Mehr Fragen zu psychischen Belastungen

Auffällig war im vergangenen Jahr auch der erneute Anstieg der Beratungen zu psychischen Belastungen um gut 17 Prozent auf 1.100 Beratungen. Im Mittelpunkt standen hier die zunehmende Arbeitsverdichtung und der damit verbundene höhere Arbeitsdruck. Betroffen waren vor allem Ratsuchende aus der Logistik-Branche und aus der Pflege. „Teilweise berichteten die Ratsuchenden von unzumutbaren Arbeitszeiten mit 14-Stunden-Schichten und völliger Überlastung“, erläutert Hauer. In der Pflege hat sich der in der Pandemie noch einmal verschärfte Personalmangel bemerkbar gemacht. „Viele halten es unter diesen schwierigen Bedingungen einfach nicht mehr aus“, so ihre Erfahrung. Diese deckt sich auch mit den Ergebnissen der Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer vom vergangenen Sommer. Dort zeigten sich insbesondere die Beschäftigten des Gesundheitswesens deutlich weniger zufrieden mit ihrer beruflichen Situation als andere.

Wechsel in andere Jobs

Gerade aus der Pflege, aber auch aus der Logistik und der Gastronomie beschreibt ein Teil der Beschäftigten den dringenden Wunsch, in andere Bereiche und Berufe zu wechseln. So sind die Beratungen zu den arbeitnehmerseitigen Kündigungen um 11 Prozent gestiegen. Wer aus einer von der Corona-Krise besonders betroffenen Branche wechseln kann, macht das inzwischen zunehmend“, fasst Kammer-Geschäftsführer Ingo Schierenbeck zusammen.

Erfreulich ist aus Sicht der Kammer der deutliche Rückgang der Beratungen zu den arbeitgeberseitigen Kündigungen. Staatliche Unterstützungen der Unternehmen, die verbesserten Kurzarbeiterregelungen aber auch der Fachkräftebedarf führen dazu, dass Beschäftigte von den Betrieben gehalten werden.

Vereinbarkeit für Frauen häufig noch immer ein Thema

Eine Sonderauswertung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat zudem ergeben, dass insbesondere das Thema Arbeitszeit gerade für Mütter nach wie vor ein großes Problem darstellt. Bei den Beratungen zu den Themen Arbeitszeit und Teilzeit ging es häufig darum, dass der Arbeitgeber keine familiengerechten Arbeitszeiten einrichten wollte. „Die Arbeitgeber zeigen sich in vielen Fällen nicht flexibel – das bedeutet für viele Frauen häufig den Jobverlust“, weiß Juristin Hauer.

Erschreckend sei zudem die Tatsache, dass ein Teil der Arbeitgeber während des Mutterschutzes oder der Elternzeit kündige – „das ist ein klarer Gesetzesverstoß und deshalb schon erstaunlich, dass einige Arbeitgeber es dennoch versuchen“, so Hauer. Insgesamt ging es 2021 in knapp 1.700 Rechtsberatungen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Den Schwerpunkt bildeten Fragen zum Mutterschutz (187), zu Elterngeld (472) und Elternzeit (175).

Kompliziertes Steuerrecht

Allein im Steuerrecht hat die Kammer im vergangenen Jahr mehr als 36.000 Fragen beantwortet. Dabei wurden fast 25.500 Mitglieder bei der Erstellung ihrer Einkommensteuererklärung unterstützt. Auch hier dominierten 2021 Fragen in Folge von Corona – also zur Auswirkung des Kurzarbeitergeldes oder des Homeoffice.

Öffentliche Rechtsberatung: viele Fragen zum Mietrecht

In der öffentlichen Rechtsberatung, die die Kammer im Auftrag des Landes für Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen durchführt, standen Mietrechtsfragen wieder ganz oben auf der Liste der Beratungsthemen. Hier ging es häufig um die Betriebskostenabrechnung. Hintergrund: Viele Mieter hatten auch durch Homeoffice und Lockdown-Zeiten deutliche Nachzahlungen wegen gestiegener Mietnebenkosten zu leisten. „In vielen Fällen waren diese Abrechnungen aber falsch, insbesondere bei privaten Vermietern“, betont Kaarina Hauer. Ein Teil der Vermieter wisse offenbar nicht, wie eine korrekte Betriebskostenabrechnung auszusehen habe; oft mangelt es bereits an formalen Dingen wie der Angabe eines Verteilerschlüssels oder dass die Kosten der Verwaltung oder nicht umlagefähige Versicherungen zu Unrecht in der Nebenkostenabrechnung Berücksichtigung finden.

Unterm Strich mussten viele Mieterinnen und Mieter mehr für die Nebenkosten zahlen. „Gerade Geringverdienende und auch Erwerbslose stellt das vor große Herausforderungen. Viele von ihnen stehen vor der Frage, wie sie künftig überhaupt noch ihre Miete zahlen können“, weiß Hauer. Alleinerziehende Frauen und Rentnerinnen und Rentner seien besonders betroffen gewesen.

Insgesamt hat die Arbeitnehmerkammer in der öffentlichen Rechtsberatung knapp 11.000 Beratungen durchgeführt.

Rechts- und Steuerberatungen 2021

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